Stephan Hallmann - Photographien
Stephan Hallmann - Photographien

Israel ist Einwandererland und ein Land, aus dem viele wieder auswandern. Israel fasziniert und stösst ab, Israel polarisiert: Manche träumen davon, einmal „das Heilige Land“ zu besuchen, andere haben genug und möchten nichts mehr hören von Israel und Palästina. Seit über einem halben Jahrhundert beanspruchen der Staat Israel und das Palästinaproblem immer wieder die Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Israel wird jährlich mit Milliarden Dollar und Euro unterstützt. Gleichzeitig muss die Welt auch für die Linderung der Flüchtlingskatastrophe der Palästinenser aufkommen: Hunderttausende, die in Folge der Staatsgründung Israels flüchteten und vertrieben wurden.

ISRAEL/  PALÄSTINA

                                     gelobtes  Land verfluchtes Land               

Die Welt finanziert auch die sogenannte „Palästinensische Autonomiebehörde" in der israelischen Besatzungszone im Westjordanland. Das heisst im Klartext, sie bezahlt die politische Klasse und Führung der Palästinenser dort für ein gewisses Mass an Konformität und Kooperation mit Israel. Und die (westliche) Welt finanziert selbst die Nahostkriege, indem sie Israel militärisch aufrüstet und anschliessend dann auch noch die Kosten für den Wiederaufbau ganzer Stadtteile, Industrien und sozialer Infrastruktur in Palästina trägt, die durch israelische Waffen - wie zuletzt in Gaza - zerstört werden.

Raumschiff  Tel Aviv

Tel Aviv, das ist die scheinbar leichtlebige, weltoffene Stadt am Meer. Beach Life und Schwulen-Metropole inmitten des muslimisch geprägten Nahen Osten. Im extraterrestrischen "Raumschiff" Tel Aviv feiert man den Strassenkarneval so freizügig, wie es etwa im nahegelegenen Jerusalem undenkbar wäre - aber auch in Tel Aviv den Zorn der orthodoxen Juden hervorruft.

Im Kontrast zu Tel Avivs ausgelassenem Tanz um das goldene Kalb: jüdisch-orthodoxe Israelis. Ihre Zahl und ihr Einfluss nehmen auch im lockeren Tel Aviv immer mehr zu.

Herren der Lage

Seine Küstenwache und Kriegsschiffe bestimmen, was vor Palästinas Küsten geschieht: Israel setzt auf mili- tärische Stärke. Seine Überlegenheit hat Israel seit 20 Jahren darin bestärkt, keine Kompromisse eingehen zu müssen.

Israelischer Wachturm im besetzten palästinensischen Westjordanland.

 

Die Grenze zu Syrien auf den von Israel besetzten Golan-Höhen.

Israelische Checkpoints engen die Bewegungsfreiheit der Palästinenser in deren eigenen Land ein.

Leerstehende Militärstützpunkte Israels auf palästinen- sischem Land können im Bedarfsfall bemannt werden.

umkämpftes Land

„Die Geschichte hat schlimmere und brutalere Besatzer gesehen als die Israelis. Aber ich habe noch nie von Besatzern gehört, die glauben,  s i e  seien die Opfer - und nicht diejenigen, die unter ihrer Besatzung leben müssen."       

 

Gideon Levy, Journalist der israelischen Tageszeitung "Haaretz"

Terror gegen Terror

 

"Das Haus des Attentäters wurde zerstört" lautet häu-fig die lapidare und unge-heuerlich verharmlosende Meldung. Eine besondere Strafe des Staates Israel gegen Palästinenser, die Bomben legen oder im Kampf gegen die israeli-sche Besatzung Mordan-schläge durchführen. Nur besitzen die fast ausnahmslos jungen Männer kein Haus. "Das Haus des Attentäters" ist das Haus der Eltern oder Grosseltern, in dem die gesamte Grossfamilie lebt und aus dem sie vertrieben wird für das Verbrechen eines Einzelnen. Das nennt man Sippenhaft. Und da diese Strafe nur gegen arabische Terroristen angewendet wird - und nicht etwa auch gegen die jüdischen Terroristen, die im Juni 2014 einen arabischen Jungen ermordeten -, muss man von einer ethnisch motivierten oder ras- sistischen  Sippenhaft sprechen. Und da selbst israelische Militärs und Geheimdienstoffiziere sagen, dass diese brutale Massnahme keines- wegs hilft, Terroranschläge zu verhindern, ist sie nichts anderes als eine grausame Racheaktion: staatlicher Terrorismus.  

"Kein anderer Staat kann sich erlauben, was Israel tut, kann machen, was er will, ohne dass die Welt ihn zur Rechenschaft zieht oder ihm Einhalt gebieten würde."                     

Saeb Erekat, palästinensischer Chefunterhändler mit Israel.

 

Homeland Palästina

no state no future?

Z w e i e r l e i   R e c h t              auf einen eigenen Staat

Der Staat Israel hat einen Geburtsfehler, der seit seiner Entstehung auf ihm lastet. Israel wurde gegründet auf Land, das von anderen Menschen seit Jahrhunderten bewohnt war. Die mussten ihr Land verlassen oder in dem neuen Staat als Menschen zweiter Klasse weiterleben, um Israel Platz zu machen. Sie hatten keine Chance, dabei ein Wort mitzureden. Nicht so, wie der Staat Israel heute von den Palästinensern verlangt, deren Staat könne nur im gegenseitigen Einvernehmen mit Israel entstehen, nicht durch eine Entscheidung der Vereinten Nationen. Israel aber entstand aufgrund einer Entscheidung der damaligen Vereinten Nationen (Völkerbund), nicht im Einvernehmen mit den Palästinensern.

 

Nicht einmal die Hälfte der jüdischen Bevölkerung weltweit lebt heute in Israel. Ohne die Verbrechen Deutschlands an seinen jüdischen Bürgern und Millionen Menschen jüdischen Glaubens in Europa hätte die Gründung Israels kaum stattfinden können, hätten allenfalls ein paar Zehntausend Schwärmer den Wunsch verspürt, nach Palästina auszuwandern. Warum also wurden die Men-schen in Palästina für die Verbrechen der Deutschen bestraft, warum mussten sie ihr Land hergeben und es zu Hunderttausenden verlassen? In einer deutschen Tageszeitung war einmal der Gedanke zu lesen gewesen, ob nicht besser Deutschland ein Stück Land, etwa Schleswig Holstein hätte abtreten müssen, als Wiedergutmachung und sichere Heimstatt für die europäischen Juden!

 

Zu dem Schatten, der seit seiner Geburt auf Israel liegt, hat sich als weitere Hypothek sein ständiges Streben nach territorialer Ausdehnung hinzugesellt. Was in den Anfängen noch ein vorsichtiges Tasten über die eigenen Grenzen hinaus war, geriet mehr und mehr zum angeblichen Rechtsanspruch. Getragen durch die zunehmende Arro- ganz des militärisch Stärkeren und das Selbstbewusstsein als einzigar- tiges Volk und Opfer der Weltgeschichte, für das die üblichen Gesetze und Grenzen nicht gelten. So ist Israel in die verhängnisvolle Rolle einer Besatzungsmacht geraten, die sich gewaltsam fremdes Land ein- verleibt und selbstherrlich und mit zutiefst undemokratischen Mitteln über das Leben eines anderen Volkes bestimmt.

Flüchtling For Ever

Hunderttausende Palästinenser le- ben seit fast 65 Jahren, also seit mehr als zwei Generationen, als Flüchtlinge in Lagern - sogar im eigenen Land, in Palästina. Ihre Hoffnung, irgendwann einmal wieder nach Hause in die Heimat, auf ihr Land zurückkehren zu können, ist praktisch aussichtslos. Sie leben in Flüchtlingslagern, die im Laufe der  Jahrzehnte  zu  arm-

selig verschachtelten Vierteln zu- sammengewachsen sind. Am Ran- de von Ortschaften im palästinen-sischen Westjordanland, etwa in Jenin (wo auch die drei Bilder von dem alten Palästinenser mit Geh- stock entstanden), im Gazastreifen

oder in  der  libanesischen Haupt- stadt Beirut in den Lagern Sabra und Schatila und Burj al-Barajneh.