Stephan Hallmann - Photographien
Stephan Hallmann - Photographien

M E E R                            Irgendwo zwischen Himmel und Erde

Alles, was mit Wasser, mit Meer zu tun hat, übte schon immer eine unglaubliche Faszination auf mich aus. Ein von Bergen und Wald umschlossener See. Das tiefe Blau oder bestechende Türkis des Meeres. Eine elegante Yacht sowieso, aber auch ein rostiger Kahn. Das alles nimmt mich sofort gefangen. Warum, frage ich mich, fühle ich mich auf dem Wasser oder auch schon bloss im Angesicht eines Gewässers so viel freier und – ja sagen wir es ruhig so – glücklicher? Das trifft natürlich vor allem auf das Meer zu, aber auch auf das „stille Wasser“ eines Sees. Seen sind etwas Wunderbares. Der Bodensee, der Lago Maggiore, Lago Atitlan, der Lake Erie, Huron oder Ontario, sie alle sind kleine, geschützte Süsswasser-Meere.

 

Das wahre Meer, die grossen Ozeane und ihre Küstenregionen sind gewaltiger, aber auch gewalttätiger. Unbeschreiblich ihre Weite. Das Farbenspiel am Abend, wenn Sonne und Himmel vom Meer aufgesogen werden, mit ihm verschmelzen. Das ist grosses Theater.

Nur Gott kann über das Wasser laufen oder ihm sogar befehlen, sich zu teilen und einen Weg freizugeben, so lernen wir es von klein auf im Religionsunterricht. Aber, wir können uns immerhin mit einem Boot auf dem Wasser bewegen. Uns auf diesem geschmeidigen, manchmal völlig glatt und friedlichen, manchmal rauhen Element treiben lassen. Über das Wasser zu gleiten ist einfach grossartig. Zumindest für diejenigen, die nicht seekrank werden oder Angst vor ihm haben. Eine Art fliegen auf einem flüssigen Teppich. Und selbst einzutauchen, im Meer zu schwimmen, das ist sozusagen das i-Tüpfelchen.

 

Der Reiz des Wassers aber liegt auch in seiner Ambivalenz, im Risiko - auch wenn heutzutage die Seefahrt mit all den modernen technischen Hilfsmitteln nur noch ein vergleichsweise kleines Abenteuer darstellt. Eine Ambivalenz, die sich auch der Personen bemächtigt, die mit der See zu tun haben. An Land sehnt man sich geradezu danach, rauszufahren auf’s Wasser, sehnt sich nach der frischen Luft und Weite draussen. Nach einiger Zeit aber, oder wenn es ungemütlich wird auf dem Wasser, wenn Wind und Wellen einen die brutale Kraft des Meers spüren lassen, die eine kleine Nusschale erbarmungslos durchschüttelt und einen Supertanker in der Mitte auseinanderbrechen lässt, dann gewinnt der Wunsch nach einem sicheren Hafen, nach festem Boden unter den Füssen die Oberhand. Sobald es geschafft ist und das Schiff sicher vertäut am Kai liegt, steigt ein angenehm warmes Gefühl in einem auf. Bis es gut ist und man beginnt, sich wieder nach dem anderen Gefühl zu sehnen und erneut raus auf's Wasser will.