Stephan Hallmann - Photographien
Stephan Hallmann - Photographien

                             Museum Rom

Rom ist nicht nur selbst ein grosses, begehbares Museum, es ist auch ein Ort der Museen. Ausstellungen verschiedenster Art und Grösse an den unterschiedlichsten Orten. Im Museum für Zeitgenössische Kunst, kurz und bündig „Maxxi“ genannt, habe ich eine Ausstellung packender Bilder der Photoreporterin Letizia Battaglia über das alltägliche Leben mit der Mafia in Sizilien gesehen: frei von der Decke hängend, ganz dem architektonischen Anspruch des von Zaha Hadid entwor-fenen Gebäudes entsprechend. Im Palazzo delle Esposizioni werden Bilder aus den 60’er Jahren von Georg Baselitz gezeigt. Im gleichen Gebäude, ein paar Säulengänge weiter, die prämierten Bilder des World Press Photo Wettbewerbs 2017, darunter einige, die stark sind und unter die Haut gehen. Wirklich nur um die Ecke, in der „Scuderie del Quirinale“, findet man die Ausstellung „Von Caravaggio bis Bernini“. Mit grossen Namen fängt man Leute: es hängt nur ein einziger Caravaggio dort, aber der Zweck heiligt in diesem Fall die Mittel, die Ausstellung ist sehenswert. In den unscheinbar kleinen „Musei Di San Salvatore in Lauro", an der gleichnamigen Piazza, an der die Via dei Coronari entlangführt, werden Kunst-werke aus dem nahe gelegenen Erdbebengebiet um die Stadt Aquila gezeigt, die vorübergehend nach Rom in Sicherheit gebracht wurden. Ein grosser Rubens hängt da neben einigen wunderbaren Altargemälden aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Natürlich darf auch die „Torte“ oder „Schreibmaschine“ nicht fehlen. Aber nicht der überproportionale weisse Prunkbau selbst, der zu Ehren von König Vittorio Emanuele II. wie ein Fremdkörper an der Piazza Venezia aus dem Stadtbild ragt, sondern das kleine Museum, das sich seitlich darin versteckt (Complesso del Vittoriano Ala Brasini). Dort habe ich eine sehr schöne Botero-Ausstellung gesehen, die mich auch nach vielen Jahren der Beschäftigung mit diesem Künstler während meiner Zeit in Lateinamerika noch beeindruckt hat. Und auch sie dürfen natürlich nicht vergessen werden: die Vatikanischen Museen in Rom. Da gibt es Kunst und Kult im Übermass. Natürlich denkt jeder sofort an die Sixtinische Kapelle mit den berühmten Fresken Michelangelos und anderer Malergiganten, oder an die Papstgemächer (Stanzen), deren schlichte "Tapeten" aus der Malerei grosser Künstler bestanden, wie zum Besipiel eines Raffael. Daneben gibt es auch eine Sammlung zeitgenössischer Künstler von Rang und Namen: Bilder etwa von Bacon, Botero, Braque, Dali, Klee, Matisse, Picasso und vielen anderen, die dem Vatikan geschenkt wurden. Alles schön und gut, aber mich hat vor allem die "Galleria delle Carte" in ihren Bann gezogen. Ein gigantisch langer Raum, oder besser gesagt ein schier endloser Gang, an dessen Seiten unter einer prächtig ausgemalten und vergoldeten Decke das Weltbild der Päpste hängt, so, wie es sich ihnen am Ende des Mittelalters darstellte: kunstvoll gemalte Landkarten in Form riesiger Wandgemälde. Sozusagen eine frühe Form der Grossbildschirme, wie man sie heute in den militärischen Kommandozentralen oder Raumfahrtzentren findet. Vergleichbares hatten also auch die damaligen Herren der Welt, die Päpste in ihrem "Lagezentrum" im Vatikan. Vor seinen unzähligen kunstvollen Wand-Karten-Gemälden kann man stundenlang verharren und sehen, wie sich die Welt verändert hat - oder ziemlich gleich geblieben ist, welche Marktflecken damals schon exstierten, welche Städte dagegen nicht. Man stellt fest, dass für die römischen Päpste das "Neue Italien" bei Sizilien aufhörte! Und wenn man noch ein wenig weiterspaziert und aus dem Fenster blickt, dann hat selbst der Parkplatz des Vatikan so gegen halbsechs Uhr abends, wie ich finde, durchaus etwas künstlerisches.