Stephan Hallmann - Photographien
Stephan Hallmann - Photographien

Santorin: Krater am Rande der Unendlichkeit

Schwarzbraun verbrannter Fels, überzogen hier und da von einer strahlend weissen Sahnehaube, so liegt sie da, die Schöne, tief- blau umrahmt im ägäischen Meer. Ein sichelförmiges steinernes Atoll, in dessen Mitte noch die Vulkankuppel aus dem Wasser ragt. Wie ein geduckt auf der Lauer liegendes Krokodil daneben die Südspitze der Santorin vor- gelagerten Insel Thirasia. Atemberaubende Schönheit geboren aus einer Katastrophe. Vor mehr als dreieinhalbtausend Jahren, schätzt man, explodierte die Vulkaninsel, schleuderte Felsbrocken inmitten Lava und Asche kilometerweit in alle Himmelsrichtungen. Geblieben ist ein magischer Ort, an dem man glaubt, die Zeit müsste stillstehen, abends oben an der Kaldera, dem 300 Meter hoch aus dem Meer ragenden Kraterrand, wenn die Sonne sich allmählich dem Meer zu senkt.

 

Seine Kruste bildet ein kubistisches Kunstwerk aus hunderten strahlend weisser Häuser und Höhlen. Dazwischen, wie kleine blaue Augen, Infinity-Pools, die nirgendwo anders auf der Welt ihren Namen so verdienen, wie am Kraterrand von Santorin. Denn von hier aus blickt man wirklich in die Unendlichkeit. Dem grandiosen Schauspiel des Sonnenuntergangs zuzu- sehen, ist fast ein sakraler Moment. Das Glas Wein in der Hand wird vom ordinären „sundowner“ unweigerlich zum liturgischen Getränk. Während am Horizont immer kleiner werdende Felseninseln im abendlichen Dunst verschwinden, in dem Gemisch aus Rot, Blau und verblas- senden Ocker-Tönen, bevor sie sich endgültig auflösen in der Unendlichkeit des Raumes. Irgendwo da draussen, wo Himmel und Meer, wo heute, gestern und morgen verschmelzen. 

L  i  f  e  s  t  y  l  e     a u f    d e m    V  u  l  k  a  n